Nicht jede Wallbox kann Überschussladen. Manche lassen sich gar nicht von außen steuern, andere regeln zu grob, um kleine PV-Überschüsse zu nutzen. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche fünf Funktionen eine Wallbox für Überschussladen mitbringen muss und welche Modelle sich in der Praxis bewährt haben.
Was bedeutet Überschussladen mit der Wallbox?
Deine PV-Anlage produziert tagsüber oft mehr Strom, als dein Haushalt gerade braucht. Dieser Überschuss geht ins Netz und wird mit der Einspeisevergütung abgegolten – deutlich unter dem, was dich eine Kilowattstunde in der Regal aus dem Netz kostet.
Beim Überschussladen wandert dieser Strom stattdessen in dein Auto. Ein Energiemanagementsystem misst laufend, wie viel Überschuss gerade verfügbar ist, und passt die Ladeleistung der Wallbox in Echtzeit an. Zieht die Waschmaschine an, drosselt die Wallbox. Kommt die Sonne durch, lädt sie schneller. Wie viel du dadurch sparst, hängt von deiner Anlage, deinem Tarif und deinem Verbrauch ab.
Damit das funktioniert, muss deine Wallbox von außen ansprechbar und fein regelbar sein. Genau daran scheitern einige ältere Modelle.
Diese fünf Funktionen braucht eine Wallbox für Überschussladen
1. Internetfähigkeit
Deine Wallbox muss mit dem Internet verbunden sein, sonst kann clever-PV sie weder auslesen noch steuern. Moderne Geräte schaffen das über WLAN, Ethernet oder Mobilfunk. Am flexibelsten bist du mit WLAN oder Mobilfunk – das spart Installationskosten und funktioniert in den meisten Garagen.
2. Kommunikation über API oder OCPP
Für die Steuerung gibt es zwei Wege. Bei einer Hersteller-API spricht clever-PV direkt mit dem Server deines Wallbox-Herstellers. Du hinterlegst dafür entweder deine Zugangsdaten aus der Hersteller-App oder einen Cloud-Token.
Der zweite Weg ist OCPP (Open Charge Point Protocol), ein herstellerübergreifender Standard. Deine Wallbox verbindet sich mit dem OCPP-Backend von clever-PV statt mit dem des Herstellers. Grundsätzlich lässt sich jede OCPP-1.6-fähige Wallbox darüber ansteuern – auch Modelle, die nicht namentlich in unserer Liste stehen.
3. Variable Leistungsanpassung in 1-A-Schritten
Eine Wallbox, die nur ein und aus kann, taugt nicht fürs Überschussladen. Sie muss die Ladeleistung stufenlos nachführen können, sonst lädt sie entweder zu viel Netzstrom mit oder schaltet ständig ab.
Elektroautos laden üblicherweise mit 6 bis 16 A, manche Modelle bis 32 A. Die Ladeleistung sollte sich in 1-A-Schritten anpassen lassen. Je feiner die Abstufung, desto genauer folgt die Wallbox deinem tatsächlichen Überschuss.
4. Phasenumschaltung zwischen einer und drei Phasen
Das ist die wichtigste Funktion für kleinere PV-Anlagen. Auf einer Phase lädt dein Auto mit rund 1.400 bis 3.600 W, auf drei Phasen mit 4.200 bis 11.000 W. Ohne Umschaltung liegt deine Mindestladeleistung bei 4,2 kW – so viel Überschuss hast du an vielen Tagen schlicht nicht.
Kann deine Wallbox während des Ladevorgangs zwischen einer und drei Phasen wechseln, nutzt du auch kleine Überschüsse im Herbst und Winter. Ältere Modelle beherrschen das nicht. Du kannst sie fest ein- oder dreiphasig anschließen lassen, passend zur Größe deiner Anlage – umschalten musst du dann manuell.
Laden Wallbox und Auto mit bis zu 32 A (22 kW), unterstützt clever-PV das ebenso wie zweiphasiges Laden.
5. Lastmanagement bei mehreren Wallboxen
Betreibst du zwei Wallboxen an einem Anschluss, braucht mindestens eine davon ein Lastmanagement. Es sorgt dafür, dass deine Sicherung nicht überlastet wird. Bei einer Absicherung mit 16 A lädt entweder ein Auto mit 16 A oder zwei Autos mit je 8 A.
Die maximale Ladeleistung ermitteln die Wallboxen dabei untereinander. clever-PV hat darauf keinen Einfluss und arbeitet mit dem, was das Lastmanagement freigibt.
Wallboxen für PV-Überschussladen im Vergleich








Kurz eingeordnet:
easee Home und Charge sind die Allrounder in dieser Liste. Sie schalten die Phasen automatisch um und werden über die offizielle Partner-API von easee in Echtzeit angesprochen.
go-e Charger V3 und Gemini können ebenfalls automatisch umschalten. Die Anbindung läuft über die go-e Cloud, die Daten kommen im Abstand von etwa 0,5 bis 5 Minuten.
enercab smart ist ein intelligentes Ladekabel statt einer festen Wallbox. Phasenumschaltung ja, Lastmanagement nein – für einen Einzelanschluss reicht das.
Zaptec Go liefert 22 kW und Mobilfunk als Rückfallebene, schaltet die Phasen aber nicht um. Passt zu größeren Anlagen mit entsprechend hohem Überschuss.
Entratek Power Dot Pro 2 und Fix laufen über OCPP und werden in Echtzeit abgefragt. Beim Pro 2 lässt sich das Überschussladen über einen Lastmanagement-Hub auch lokal umsetzen.
ABB Terra AC und go-e Charger V2 sind solide OCPP-Geräte mit Echtzeitabfrage, jeweils ohne automatische Phasenumschaltung.
Dein Modell steht nicht dabei? In unserer Übersicht der Integrationen findest du alle unterstützten Geräte. Unterstützt deine Wallbox OCPP 1.6, wählst du bei der Einrichtung einfach „OCPP 1.6″ als Hersteller aus.
Überschussladen ohne zusätzlichen HEMS-Controller
clever-PV läuft vollständig in der Cloud. Du brauchst also keinen zusätzlichen HEMS-Controller im Schaltschrank, keinen Gateway und keine Installation durch einen Techniker. Wallbox und Wechselrichter verbindest du über die jeweiligen Hersteller-Portale, den Rest übernimmt die App.
Was du brauchst, ist eine Messung deines Energieflusses im Haushalt. In den meisten Fällen liefert die dein Wechselrichter oder dein Batteriespeicher bereits mit. Fehlt sie, kommt ein Auslesekopf oder ein passender Zähler dazu – welche Varianten es gibt, steht in unserem Beitrag zu den Voraussetzungen für PV-Überschussladen.
Mehr zur Funktionsweise findest du auf unserer Seite zum PV-Überschussmanagement.
Häufige Fragen zum Überschussladen mit der Wallbox
Welche Wallbox eignet sich für Überschussladen?
Geeignet ist jede Wallbox, die internetfähig ist, sich per API oder OCPP ansteuern lässt und ihre Ladeleistung in 1-A-Schritten regeln kann. Eine automatische Phasenumschaltung ist kein Muss, holt aus kleineren Anlagen aber deutlich mehr heraus.
Funktioniert Überschussladen mit jeder OCPP-Wallbox?
Grundsätzlich ja. Unterstützt deine Wallbox OCPP 1.6, kannst du sie über unser OCPP-Backend anbinden, auch wenn das Modell nicht namentlich gelistet ist. Wie gut die Regelung läuft, hängt davon ab, wie sauber der Hersteller den Standard umgesetzt hat.
Brauche ich für Überschussladen einen Batteriespeicher?
Nein. Ein Speicher ist nicht nötig, dein Auto übernimmt in diesem Fall die Rolle des Speichers. Hast du einen Speicher, kannst du in clever-PV festlegen, welcher Verbraucher zuerst bedient wird.
Geht Überschussladen ohne Phasenumschaltung?
Ja, allerdings mit höherer Einstiegsschwelle. Ohne Umschaltung startet der Ladevorgang erst ab rund 4,2 kW Überschuss. An trüben Tagen und in der Übergangszeit kommt dann seltener Ladung zustande.
Wie viel PV-Leistung brauche ich zum Überschussladen?
Eine feste Untergrenze gibt es nicht. Entscheidend ist, wie oft dein Überschuss die Mindestladeleistung deiner Wallbox erreicht. Mit Phasenumschaltung liegt diese Schwelle bei etwa 1,4 kW, ohne bei rund 4,2 kW.
Muss ich extra Hardware kaufen?
In der Regel nicht. clever-PV arbeitet cloudbasiert und braucht keinen zusätzlichen HEMS-Controller. Vorausgesetzt ist eine Messung deines Energieflusses, die bei PV-Anlagen mit Speicher meist schon vorhanden ist.
















